27.09.2019

LombardClassic 2: InsoVerwalter fordert Ausschüttungen zurück – was Betroffene nun tun können


Wie bereits seit längerer Zeit angekündigt, hat der Insolvenzverwalter der Erste Oderfelder GmbH & Co. KG („Lombard Classic 2“ – „LC2“), Frank-Rüdiger Scheffler, nach eigenen Angaben nun damit begonnen, die an die Anleger geleisteten Ausschüttungen und auch die vor Insolvenzeröffnung zurückgeflossenen Einlagen zurückzufordern. Ob diese Rückforderung berechtigt ist, wird von dem betroffenen Anleger im Einzelfall zu prüfen sein. Gleichzeitig sollten die Betroffenen prüfen, ob sie die Rückforderungen an ihren Anlageberater weiterreichen können, der ihnen die Lombard-Anlage zum Kauf empfahl. Dies sollte kurzfristig geschehen, denn zum Jahresende droht die Verjährung von Schadensersatzansprüchen.

 

Anfechtungsgrund „Schneeballsystem

 

Der Insolvenzverwalter begründet die Anfechtungen der Auszahlungen damit, dass die Lombardium-Gruppe ein verbotenes Schneeballsystem betrieben und seit 2013 keine Gewinne mehr erwirtschaftet habe. Bis zum Frühjahr 2020 sollen rund 5000 Anleger die Zahlungsaufforderungen im Briefkasten haben. Nach der Insolvenzordnung muss der Insolvenzverwalter sogenannte „unentgeltliche Leistungen“ anfechten, wenn sie innerhalb von vier Jahren vor der Insolvenz erfolgt sind. Diese Regelung gilt insbesondere für Scheingewinne, wie sie in Schneeballsystemen an Anleger ausgeschüttet werden. In derartigen Fällen weiß der Geschäftsführer im Zeitpunkt der Auszahlung, dass er mangels Gewinnen keine Ausschüttungen an die Gesellschafter leisten darf. Die Zahlungen erfolgen, um die beteiligten Anleger gewogen zu halten und kein Misstrauen in den Geschäftserfolg des Unternehmens aufkommen zu lassen. Ansonsten würden viele Anleger auf die Idee kommen ihre Gelder umgehend aus der Gesellschaft abzuziehen.

 

Viele ehemalige Anleger werden von diesen Rückforderungen sehr überrascht sein. Denn wer sein Geld aus der ausgelaufenen Beteiligung an LC2 zurückerhalten hatte, bevor die Insolvenz eingetreten war, konnte auf die Idee kommen, noch glücklich davon gekommen zu sein. Dieser Gedanke erweist sich nun leider als Irrglaube. Für diese Anleger gilt es nun zu prüfen, ob die Rückforderungen berechtigt sind und ob ihnen ggfs. Schadensersatzansprüche gegen ihren Anlageberater/Anlagevermittler zustehen.

 

Entreicherung könnte Anlegern helfen

 

Ob die Inanspruchnahme seitens des Insolvenzverwalters berechtigt ist oder nicht, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Zu beachten ist, dass der Insolvenzverwalter im Rahmen einer Anfechtung einer „unentgeltlichen Leistung“ nach § 134 InsO sowohl die sog. Unentgeltlichkeit wie auch die Gläubigerbenachteiligung zu beweisen hat. Hierfür muss er insbesondere das Vorliegen eines Schneeballsystems beweisen. Des Weiteren kann der Rückzahlungsanspruch bei einer sog. Entreicherung entfallen. Auf diesen Einwand werden sich insbesondere die Anleger berufen, welche die zurückgeflossene Einlage aus LC2 in eine neue Beteiligung am LombardClassic 3 reinvestiert haben. Ihnen droht aufgrund der Rückforderung des Insolvenzverwalters nun ein doppelter Schaden, nämlich der doppelte Verlust der Beteiligungssumme.

 

Schadensersatz vom Anlageberater/Anlagevermittler

 

Nach unseren Erfahrungen sind die betroffenen Anleger gut beraten, an die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen gegen den Anlageberater/Anlagevermittler zu denken, der ihnen die Beteiligung zum Kauf empfahl. „Viele Berater hatten die tatsächlichen Risiken der Anlage sowie die Gefahr des Missbrauchs als Schneeballsystem nicht erkannt und die Lombard-Beteiligungen daraufhin als sehr sichere Anlage empfohlen. Aus diesem Grunde stehen vielen Anlegern Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung zu“, erläutert Dr. Thomas Meschede, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei mzs Rechtsanwälte Düsseldorf. In den Fällen, in denen die Zahlungen aus LC2 vollständig an die Anleger zurückgeflossen waren und der Insolvenzverwalter jetzt das Kapital zurückfordert, haben die schadensersatzpflichtigen Berater und Vermittler die Anleger von diesen Ansprüchen freizustellen.

 

Es ist bereits eine Vielzahl von Urteilen zugunsten der Anleger ergangen. Allein unserer Kanzlei mzs Rechtsanwälte ist es gelungen mehr als ein Dutzend Urteile und außergerichtliche Erfolge gegen Anlageberater zu erzielen“, führt Dr. Meschede aus. 

 

Mögliche Verjährung zu Ende 2019

 

Wichtig ist, dass betroffene Anleger noch dieses Jahr aktiv werden. Denn zum Ende des Jahres droht die Verjährung von Schadensersatzansprüchen. Es gilt eine kenntnisabhängige Verjährungsfrist von 3 Jahren, d. h. der Anleger muss seine Rechtsansprüche innerhalb von 3 Jahren geltend machen, nachdem er von konkreten Anhaltspunkten für eine Falschberatung durch den Berater Kenntnis erlangt hatte. Diese Frist wird in vielen Fällen im Jahre 2016 zu laufen begonnen haben, da Anfang August 2016 der Insolvenzantrag gegen die Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG („LombardClassic 2“) gestellt wurde.

 

mzs Rechtsanwälte bieten Erstberatung an

 

Rechtsanwalt und Fachanwalt Dr. Thomas Meschede vertritt zahlreiche Anleger der Lombard-Beteiligungen und bietet betroffenen Anlegern eine kostenlose und unverbindliche Erstberatung zu ihren rechtlichen Möglichkeiten an. Geschädigte Lombard-Anleger können die Kanzlei telefonisch oder per E-Mail kontaktieren.

 

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